|
Alright in Concert (Reamonn live - ein Berichtchen) |
 |
Eschwege-West liegt ungefähr zwischen Göttingen und Kassel. Wenn man mit dem Auto vom Bahnhof in den Ort fährt, kann man einen Berg sehen, hinter dem früher die Grenze zwischen West- und Ostdeutschland verlief. Es ist eine schöne Gegend. Hügelig. Grün. Weit. Ab und zu eine Burg. In Eschwege selbst wohnen an die zehntausend Leute. Ebensoviel werden an diesem Wochenende zum 2 Tage dauernden Open Flair - Rockfestival erwartet. Zehntausend Leute und die deutsch-irische Band Reamonn. Es ist heiss. Zu heiss. Staubig. Die Sonne brennt. |
 |
 |
 |
Hinter dem Zelt sitzen Männer auf Bänken und warten. Die Crew von Reamonn. "Fahren wir nach Dublin?" fragt jemand. "Nein, nach Prag," sagt ein anderer. "Quatsch," brummt ein Dritter, und noch jemand anders sucht ein Ladegerät für sein Handy.
In weniger als eine Stunde soll die Band auf der Bühne stehen und noch immer sind weder Rea, noch Sebi, Uwe, Gomezz, Phil oder wenigstens ihr Tourbus aufgetaucht. Die Crew bleibt gelassen. Die Sonne brennt weiter. Eine halbe Stunde vor Auftritt rollt ein grosser schwarzer Bus hinter das blaue Festivalzelt. Wo sie waren? Auf der A7. Im Stau. Wie sie sich fühlen? Prima. Wünsche? Einen Obstsalat für Uwe.
Nun lässt die Sonne nach und versteckt sich hinter milchigweissen Wolken. Es ist halb Acht. Im Zelt hören die Leute eine Stimme und atmosphärische Klänge. "Raise your hands," sagt die Stimme. "Entspannt Euch", sagt die Melodie. Das Ganze klingt wie ein Mantra. Dann plötzlich: Lila Licht. Weisses. Dann wieder grell Lila, und sofort stürmen Sebi, Phil, Gomezz, Uwe und Rea auf die Bühne. Unter Jubel nehmen die Musiker ihre Arbeitsplätze ein, was man schnell hört, denn es geht los, laut, massiv. Der Sound ist dicht und dennoch angenehm. "How are you doin'? Alles klar?" fragt Rea bilingual, lächelnd, präsent. Die Leute brüllen. Klar, alles klar.
Im Publikum hält ein Junge mit in alle Richtungen abstehenden grellroten Haaren die Hand eines Mädchens. Sie wirken verliebt, aber sie sehen einander nicht an. Sie blicken zur Bühne, versunken, lächelnd. Und sie singen.
Reamonns Album "Beautiful Sky" ist gerade erschienen, auf Platz 3 der Charts, und schon singen viele Leute die Texte der neuen Lieder mit. |
 |
Konzentriert arbeitet die Band, und dennoch spürt man ihre gute Laune. Grinsend drischt Uwe auf seine Gitarre ein. Die Jungs schuften, und sie spielen. Von Sebi sind nur noch wirbelnde Arme und Beine, und ein wilder Schopf Haare zu sehen. Wäre er ein Oktopus mit acht Armen, er würde sofort acht Keyboards mehr spielen wollen.
Phil am Bass bewegt seinen Kopf im Rhythmus, nach rechts, nach links, wie der Zeiger einer Stehuhr. Von Gomezz hinter dem Drum-Turm ist mehr zu hören als zu sehen, und die Leute gehen mit. Es ist als habe Reamonns Musik den müden, von der Hitze erschöpften Festivalbesuchern eine Injektion Adrenalin verpasst. "Are you ready to sing?", fragt Rea. Alle Schichten der Gesellschaft drängen vor die Bühne und wollen.
Die Band wechselt zwischen massivem Sound und akkustischer Reduziertheit. Und immer hat man das Gefühl, man ist gar nicht auf einem Festival, sondern auf einem privaten, intimen Konzert, irgendwo auf der Welt, wo es schön ist, weil man da hingehört. Die Lieder erschaffen Nähe, auch wenn man weit weg steht. So muss das sein, wenn sie im Pub spielen. In einem der vielen irischen Pubs. Ihre Pub-Tour dauert noch. Dieses Konzert ist eine der vielen kleinen Unterbrechungen, unter anderem auch für Rock am Ring und Rock im Park. "Das nächste Lied," sagt Rea, "es ist supereinfach, es ist "Alright…".Weite erfüllt das Zelt. Und jetzt grünes Licht. Rea verbindet unterdessen die Band mit dem Publikum mit der Musik und mit sich. "Alright." Er greift in die Luft nach unsichtbaren Händen, "it's alright", streichelt die Ferne, "stay with me tonight", hüpft auf eine Box, "alright", läuft von Uwe zu Sebi, "let me make it alright", zu Phil und zurück an den Bühnenrand, ist überall zur gleichen Zeit, steht nie still und singt dabei auch noch.
Die Leute haben die Arme oben. Der grellrothaarige Junge und das Mädchen küssen einander. Draussen geht eine goldrote Sonne unter. "Alright." Drinnen wollen die Leute eine Zugabe.
Hinten, am Rande des Zeltes, steht Frederick Garvey auf einer Kiste neben mehreren jungen Leuten. Er ist Reas Vater, heute zu Besuch in Deutschland. Dass er Polizeichef von Kerry ist, das sieht man ihm nicht an. Er wirkt wie ein ehemaliger Sportler, Rennfahrer vielleicht."Eine mächtige Stimme, die ihr Sohn da hat", sagt jemand. "Oh, yeah, he cried a lot as a baby", antwortet Mister Garvey, halb im Scherz. Das Lachen geht in der Reprise unter, und wieder "alright." Das Konzert endet wie es auch begann: mit einem Mantra. Mit einem guten Mantra. Mit "Alright". |
|